{"id":4306,"date":"2013-12-18T01:28:54","date_gmt":"2013-12-17T23:28:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesund24h.de\/blog\/?p=4306"},"modified":"2017-04-11T16:53:42","modified_gmt":"2017-04-11T14:53:42","slug":"psychosomatik-kinder-fuehlen-mit-dem-bauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesund24h.de\/blog\/allgemeines\/psychosomatik-kinder-fuehlen-mit-dem-bauch.html","title":{"rendered":"Psychosomatik &#8211; Kinder f\u00fchlen mit dem Bauch"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"left size-thumbnail wp-image-4307\" src=\"https:\/\/www.gesund24h.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/kind-schule-225x135.jpg\" alt=\"Kind in der Schule\" width=\"225\" height=\"135\" \/>&#8222;Mama, mir tut der Bauch weh!&#8220; &#8211; Und das ausgerechnet vor dem Mathe-Test! Wenn die Beschwerden dann ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind, verd\u00e4chtigen Eltern ihren Nachwuchs schnell, nur simuliert zu haben, um dem Test zu entgehen. Sehr oft tun Eltern ihren Kindern damit aber Unrecht, denn auch wenn Schmerzen im Kindesalter nicht immer eine k\u00f6rperliche Ursache haben, k\u00f6nnen sie dennoch real sein und sich bei Nichtbeachtung sogar chronifizieren. Das Ph\u00e4nomen, dass seelische Probleme k\u00f6rperliche Symptome ausl\u00f6sen, nennt man Psychosomatik.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Wissenswertes zur Psychosomatik<\/h2>\n<p>Der Begriff &#8222;<strong>Psychosomatik<\/strong>&#8220; setzt sich aus den altgriechischen W\u00f6rtern &#8222;<em>psyche<\/em>&#8220; (=<em>Seele<\/em>) und &#8222;<em>soma<\/em>&#8220; (=<em>K\u00f6rper<\/em>) zusammen und beschreibt Schmerzen oder Erkrankungen, deren Ursache im seelischen Befinden liegt. Dieser Zusammenhang ist schon lange bekannt, allerdings im Zuge der voranschreitenden medizinischen Forschung eine Zeitlang wieder in Vergessenheit geraten. Psychologen und Psychoanalytiker entdeckten den Zusammenhang zwischen k\u00f6rperlichen und seelischen Beschwerden aber wieder und mittlerweile findet diese Erkenntnis auch in der Medizin immer mehr Bef\u00fcrworter. Das Prinzip ist eing\u00e4ngig: Das Gleichgewicht zwischen K\u00f6rper und Seele ist empfindlich und reagiert auf jede St\u00f6rung; Wenn jemand k\u00f6rperlich krank ist, leidet seine Seele mit, umgekehrt kann Krankheit auch in Folge von seelischem Leid entstehen.<\/p>\n<p>Psychosomatische Beschwerden k\u00f6nnen einmalig auftauchen, zum Beispiel in Form von psychosomatischem Durchfall vor einer Pr\u00fcfung oder Einn\u00e4ssen als Folge starkem Drucks. Werden aber stets nur die Symptome behandelt und nicht die Ursachen, kann es sein, dass sich die Beschwerden verfestigen und eine dauerhafte Problematik nach sich ziehen. Deshalb ist es wichtig, dass psychosomatische Beschwerden nicht nur erkannt, sondern auch ernst genommen werden, um eine Chronifizierung zu vermeiden. Denn letztlich sind psychosomatische Bauchschmerzen genauso schmerzhaft, wie somatisch bedingte und vergehen nicht durch blo\u00dfes Ignorieren.<\/p>\n<h2>Psychosomatische Erkrankungen im Vergleich zu Psychogenen Erkrankungen<\/h2>\n<p>Oft taucht im Zusammenhang mit psychosomatischen Erkrankungen der Verdacht auf Simulation oder gar Hypochondrie auf, also auf reine Einbildung der Beschwerden. Hier muss allerdings eine klare Trennlinie gezogen werden: Eingebildete Beschwerden, auch psychogene Beschwerden genannt, existieren nur im Kopf und zeigen keine k\u00f6rperlichen Symptome. Bei psychosomatischen Beschwerden hingegen sind tats\u00e4chlich k\u00f6rperliche Symptome nachweisbar, sie haben lediglich ihre Ursache in der psychischen Verfassung des Erkrankten. In beiden F\u00e4llen kann eine psychotherapeutische Behandlung zur Genesung f\u00fchren, bei psychosomatischen Erkrankungen ist allerdings dennoch eine \u00e4rztliche Begleitung notwendig, da ernst zu nehmende k\u00f6rperliche Symptome vorliegen.<\/p>\n<h2>Warum Kinder besonders anf\u00e4llig f\u00fcr psychosomatische Erkrankungen sind<\/h2>\n<p>Zwar k\u00f6nnen psychosomatische Erkrankungen Menschen aus allen Altersklassen und Schichten treffen, allerdings sind Kinder besonders h\u00e4ufig davon betroffen. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr liegen in der erh\u00f6hten seelischen Verletzlichkeit von Kindern, schlie\u00dflich sind Kinder noch nicht so kopfgeleitet wie Erwachsene, Kinder sind vor allem Gef\u00fchlswesen.<\/p>\n<p>Wie bereits erkl\u00e4rt entstehen psychosomatische Beschwerden aus einem Ungleichgewicht in dem empfindlichen Verh\u00e4ltnis zwischen K\u00f6rper und Seele. W\u00e4hrend Erwachsene aber viel eher in der Lage sind emotionale Reize und Stimmungen zu filtern und einzuordnen, sind Kinder der Atmosph\u00e4re, die sie umgibt, oft v\u00f6llig schutzlos ausgeliefert &#8211; Stress und schlechte Tage schlagen ihnen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen.<\/p>\n<p>Besonders bei Kleinkindern ist dabei das K\u00f6rpergef\u00fchl noch nicht ausreichend ausgepr\u00e4gt, um Schmerzen gezielt zuordnen zu k\u00f6nnen. Kinder empfinden Schmerzen deshalb oft ganzheitlich im Zentrum ihres K\u00f6rpers: Im Bauch. Dazu kommt, dass besonders kleine Kinder die Gef\u00fchle, die sie belasten, h\u00e4ufig noch nicht verbalisieren, also in Worten ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Dadurch k\u00f6nnen diese Emotionen aber auch nicht angemessen verarbeitet werden und bleiben den Kindern lange unverdaut im Magen liegen und verursachen dabei k\u00f6rperliche Beschwerden.<\/p>\n<h2>Diagnostik und Behandlung der Beschwerden<\/h2>\n<p>Dennoch ist nat\u00fcrlich nicht jeder Bauchschmerz bei Kindern gleich psychosomatisch bedingt. Auch bei Kinder muss nat\u00fcrlich zun\u00e4chst abgekl\u00e4rt werden, ob k\u00f6rperliche Ursachen f\u00fcr die Schmerzen vorliegen. Bevor eine Diagnose auf Psychosomatische Beschwerden gestellt werden kann, braucht es zun\u00e4chst gr\u00fcndliche Untersuchungen und Beobachtungen. F\u00fcr die Diagnose ist es wichtig, einen Kinderarzt zu haben, der dieser Thematik offen gegen\u00fcber steht &#8211; wer psychische Ursachen f\u00fcr eine Erkrankung bereits im Vorfeld ausschlie\u00dft, wird sie gewiss nicht erkennen, geschweige denn angemessen behandeln k\u00f6nnen. Ein ganzheitlich arbeitender Kinderarzt wird nicht nur nach den Symptomen einer Erkrankung fragen, sondern auch nach deren Gr\u00fcnden, um zu verstehen, wie er seinen kleinen Patienten langfristig helfen kann.<\/p>\n<p>Und auch seitens der Eltern ist eine genaue Beobachtung gefragt: Welche eventuell ausl\u00f6senden Faktoren gehen der Erkrankung voraus? Wiederholen sich Beschwerden in bestimmten Situationen oder bleiben sie Einzelf\u00e4lle? Eine gute Abstimmung mit dem Kinderarzt ist eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr eine gelingende Behandlung, ebenso die Bereitschaft eine psychotherapeutische Behandlung einzugehen. Denn so kann kleinen Patienten geholfen werden, Konflikte besser zu bearbeiten und so letztlich beschwerdefrei zu werden. Besonders bei kleinen Kindern ist es wichtig, dass hier die ganze Familie zusammenarbeitet und sich aktiv an der Therapie beteiligt. Denn kleine Kinder nehmen Gef\u00fchle und Probleme aus ihrem n\u00e4heren Umfeld noch weitgehend ungefiltert auf, weshalb es wenig Erfolg verspricht, die seelischen Beschwerden eines Kindes isoliert behandeln zu wollen.<\/p>\n<p>Deshalb ist es notwendig, dass die Behandlung psychosomatischer Erkrankungen ganzheitlich erfolgt: Medizinische Betreuung und <a href=\"https:\/\/www.gesund24h.de\/blog\/gesundheit\/psychisches-trauma-traumatherapie.html\">Psychotherapie<\/a> m\u00fcssen aufeinander abgestimmt werden und Eltern sowie das n\u00e4here pers\u00f6nliche Umfeld miteinbezogen werden. Nur so k\u00f6nnen die Voraussetzungen geschaffen werden, die einem Kind eine vollst\u00e4ndige Genesung erm\u00f6glichen. Besonders wichtig sind hier auch die Eltern, die durch das enge Verh\u00e4ltnis zu dem Kind quasi als Co-Therapeuten fungieren.<\/p>\n<h2>Was k\u00f6nnen Eltern tun?<\/h2>\n<p>Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen Eltern viel zum Behandlungserfolg bei psychosomatischen Erkrankungen beitragen. Wichtig ist hierf\u00fcr zun\u00e4chst die entsprechende Einstellung: Psychische Ursachen als Krankheitsausl\u00f6ser m\u00fcssen akzeptiert und verstanden werden, die Beschwerden ernst genommen statt abgetan werden.<\/p>\n<p>Ein Aspekt ist hier nat\u00fcrlich, seinem Kind die entsprechende Therapie (sowohl medizinisch als auch psychotherapeutisch) \u00fcberhaupt zu erm\u00f6glichen. Aber Eltern haben noch andere M\u00f6glichkeiten ihr Kind zu unterst\u00fctzen. Psychosomatische Beschwerden m\u00fcssen die gleiche Beachtung finden, wie k\u00f6rperliche Erkrankungen, allerdings darf das nicht in ein \u00dcberbewerten umschlagen. Eine zu starke Konzentration auf die Symptomatik kann zu einer Verschlechterung f\u00fchren, da durch die starke Gewichtung auch der Druck auf die Psyche des Kindes steigt. Hilfreicher ist es, psychosomatische Erkrankungen genauso zu behandeln wie &#8222;normale&#8220; Erkrankungen. Denn letztlich ist es bei psychosomatischen Beschwerden genauso, wie in jedem anderen Bereich: Problem, die pragmatisch und auf aktive Bew\u00e4ltigung ausgerichtet betrachtet werden, k\u00f6nnen eher gel\u00f6st werden, als solche, die mit l\u00e4hmender Hilflosigkeit betrachtet werden.<\/p>\n<p>Manchmal kann es sinnvoll sein, den Alltag umzustrukturieren, manchmal k\u00f6nnen gemeinsame Gespr\u00e4che helfen. Ist die Problematik bereits sehr festgefahren, kann es gewinnbringend sein, wenn sich die ganze Familie einer therapeutischen Behandlung \u00f6ffnet. Ist die Situation noch nicht so versteift, reicht es oft schon, wenn Eltern ihrem Kind offen und empathisch begegnen, um ihm zu helfen, seelische Schmerzen zu verarbeiten, bevor Sie sich in k\u00f6rperliche Schmerzen verwandeln.<\/p>\n<h2>Der Stigmatisierung ein Ende machen<\/h2>\n<p>Letztlich wird jedem, der sich mit psychosomatischen Erkrankungen bei Kindern besch\u00e4ftigt, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vor allem eines klar: Sie sind genauso &#8222;normal&#8220; wie alle anderen Krankheitsformen sonst auch. Fr\u00fchzeitig erkannt k\u00f6nnen sie problemlos behandelt und vollst\u00e4ndig geheilt werden. Sie sind quasi eine logische Folge der empfindsamen, noch nicht vollst\u00e4ndig ausgereiften Struktur kindlicher Psyche und der engen Verbindung zwischen Seele und K\u00f6rper. Keineswegs sind psychosomatische Erkrankungen ein Anzeichen f\u00fcr aufkommende Geisteskrankheiten, vielmehr sind sie eine normale Form von Krankheit und sollten weder dramatisiert noch stigmatisiert werden.<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe<br \/>\nPetra Fischer<br \/>\nGesund24h Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Mama, mir tut der Bauch weh!&#8220; &#8211; Und das ausgerechnet vor dem Mathe-Test! Wenn die Beschwerden dann ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind, verd\u00e4chtigen Eltern ihren Nachwuchs schnell, nur simuliert zu haben, um dem Test zu entgehen. 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