Fasten hat eine sehr lange Tradition, die in praktisch allen Religionen mehr oder weniger ausgeprägt zu finden ist. So lange es sich beim Fasten um den Verzicht auf Genussmittel und die Reduzierung der Nahrungsaufnahme generell handelt, ist gegen Fasten aus medizinischer Sicht auch nichts einzuwenden. Viel größeres Kopfzerbrechen bereitet den Medizinern das Heil- und Saftfasten, das inzwischen von vielen Menschen unabhängig von religiösen Hintergründen eher zur Erzielung der Wunschfigur auf schnellem Weg durchgeführt wird.
Mediziner warnen einstimmig vor der Durchführung des Fastens, bei der dem Körper sehr wichtige Nahrungsbestandteile komplett entzogen werden. Ob dieses Fasten als Hungern, Nulldiät oder Fasten oder eben Heilfasten bezeichnet wird – es läuft bei allen Fastenarten gleichermaßen darauf hinaus, dass der Körper unter komplettem Nahrungsentzug leidet. Problematisch ist dies besonders vor dem Hintergrund, dass der Körper nun fast schon verzweifelt versucht, den Abbau des Proteins aus den Muskeln zu stoppen. Hierbei wird auch der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen und wer ohnehin schon – oft unbemerkt – ein angegriffenes Herz hat, kann mit schweren Herzproblemen rechnen, die sogar im Härtefall bis zum Tod führen können. Wenn also überhaupt Fasten, dann bitte nur nach einem gründlichen medizinischen Check und unter Begleitung eines Mediziners, der den Körper innerhalb der Fastenphase überwacht.
Leider wird dem Fasten im Hinblick auf die Gewichtsreduzierung zuviel Wertung geschenkt. Tatsache ist, dass das Fasten zum einen den Abbau von Muskulatur unterstützt, zum anderen wird der Grundumsatz bedingt durch den Nahrungsentzug stark reduziert. Das heißt, dass der Jojo-Effekt nach Beendigung der Fastenphase praktisch vorprogrammiert ist und dass zudem der Fett-Muskel-Anteil sich nach der Fastenaktion sehr negativ verschoben haben kann. Das abgenommene Körpergewicht geht zu einem Großteil auch eben auf den Muskelabbau zurück und so kann selbst bei einer vermeintlichen Gewichtsabnahme der Anteil von Körperfett nahezu gleich hoch geblieben sein – ein Effekt, der so nicht erwünscht ist. Im Sinne von Körperfettanteilen kann man also nach dem Fasten dicker sein als vor dem Fasten. Auch das Saftfasten, das gern als Alternative zum klassischen Fasten propagiert wird, gilt in Medizinerkreisen als unwissenschaftliche und oft auch gesundheitsschädliche Form der Fehlernährung.
Mediziner plädieren beim Wunsch, das Körpergewicht zu reduzieren, für eine umfassende Ernährungsumstellung, die einen ausreichend hohen Proteinanteil enthält, um so dem unerwünschten Muskelabbau vorzubeugen. Auch im Sinne der Stoffwechselfunktionen ist die moderate, abwechslungsreiche Ernährung die bessere Alternative zum Fasten.
Fasten kann auch akute gesundheitliche Probleme mit sich bringen, die von Haarausfall, Übersäuerung, Gichtanfällen bis hin zu Nierenkoliken und Kreislaufproblemen reichen können. Medizinisch begründet ist Fasten nie, denn vermeintliche Schlacken baut der Körper auch ohne Fasten ab.